Sie geben Ihrem Pool immer mehr Chlor, der Teststreifen zeigt passable Werte, und trotzdem trübt sich das Wasser und an den Wänden setzen sich Algen fest? Mit hoher Wahrscheinlichkeit liegt das nicht am Chlor selbst, sondern an seinem Stabilisator — der Cyanursäure (CYA). In kleinen Mengen ist sie unverzichtbar, denn sie schützt Chlor vor der Sonne. Im Übermaß schaltet sie es aber praktisch ab: Das Chlor ist zwar im Wasser vorhanden, kommt mit dem Desinfizieren aber nicht mehr hinterher. Dieser Artikel erklärt, wie der Stabilisator funktioniert, welche Werte Sie einhalten sollten und wie Sie aus einer sogenannten Überstabilisierung wieder herauskommen.

Was ist Cyanursäure, und warum braucht Chlor sie?
Cyanursäure (Cyanuric Acid, kurz CYA) ist ein weißes Pulver oder Granulat, das als „Chlorstabilisator“ verkauft wird. Im Wasser bindet sie sich locker und reversibel an freies Chlor. Diese Bindung wirkt wie eine Sonnencreme für Chlor: Sie schützt die Moleküle der unterchlorigen Säure vor UV-Strahlung, die sie sonst sehr schnell zersetzen würde.
Ohne Stabilisierung sind die Verluste dramatisch. Branchenquellen zufolge kann direkte Sommersonne die Hälfte des Freichlors in unstabilisiertem Wasser innerhalb weniger Dutzend Minuten zerstören, und binnen zwei bis drei Stunden können bis zu 90 % der Dosis verschwinden. Anders gesagt: Sie dosieren morgens, und mittags hat der Pool praktisch nichts mehr, womit er desinfizieren könnte.
Mit einem Stabilisator auf dem richtigen Niveau bleibt Chlor im Außenpool den ganzen Tag und länger wirksam. Deshalb wird CYA entweder zu Saisonbeginn separat zugegeben oder ist bereits Bestandteil des sogenannten stabilisierten Chlors — also von Dichlor und Trichlor-Tabletten. Und genau hier beginnt das Problem, über das die meisten Ratgeber schweigen.
Welche CYA-Werte sind richtig?
Für einen Außenpool mit Chlor wird empfohlen, die Cyanursäure bei etwa 30–50 ppm (mg/l) zu halten. Unter 30 ppm baut sich Chlor in der Sonne schnell ab, über 50 ppm nimmt der Schutz kaum noch zu, während die Nachteile zu überwiegen beginnen.
- Außenpool ohne Überdachung: 30–50 ppm.
- Pool mit Salzelektrolyse: Hersteller empfehlen oft 60–80 ppm, da Chlor dabei laufend in kleinen Mengen entsteht und einen länger anhaltenden Schutz benötigt.
- Innenpool: CYA ist überflüssig — keine UV-Strahlung, kein Stabilisierungsbedarf.
- Whirlpool unter einer Thermoabdeckung: praktisch kein Bedarf. Das Wasser ist die meiste Zeit abgedeckt, UV-Strahlung erreicht es kaum. Die geringe CYA-Menge aus der anfänglichen Dichlor-Dosierung reicht völlig aus — geben Sie in einen Whirlpool keinen zusätzlichen Stabilisator.
Ein wichtiges Detail: Cyanursäure baut sich im Wasser praktisch von selbst nicht ab. Sie verdunstet nicht, wird nicht herausgefiltert und zerfällt nicht durch Sonnenlicht. Das Einzige, was den Wert senkt, ist Verdünnung — Regen mit Überlaufverlust, das Rückspülen des Filters und vor allem der teilweise Wasserwechsel.
Wie dosiert man den Stabilisator zu Saisonbeginn?
Die Dosierung ist einfach: 1 Gramm Cyanursäure pro 1 m³ Wasser hebt den Wert um 1 ppm. Für einen Pool mit 30 m³ und einem Zielwert von 40 ppm benötigen Sie also 1,2 kg Stabilisator. Das Granulat löst sich langsam auf, mitunter über mehrere Tage — bewährt hat sich, es in einen alten Socken oder einen Skimmerbeutel zu füllen und bei laufender Umwälzung in den Skimmer zu hängen.
Befüllen Sie den Pool zum ersten Mal oder nach einem kompletten Wasserwechsel, dosieren Sie den Stabilisator als eine der ersten Maßnahmen — Chlor, das in unstabilisiertes Wasser in der Sonne gegeben wird, ist im wahrsten Sinne zum Fenster hinausgeworfenes Geld. Messen Sie den Wert erst nach einer Woche erneut; ein früherer Test zeigt wegen der langsamen Auflösung weniger an, als tatsächlich im Wasser ist, und verleitet zu unnötiger Überdosierung.
Überstabilisierung: Wenn Chlor „da ist“, aber nicht wirkt
Damit kommen wir zum Kern des Problems, das umgangssprachlich „Chlorine Lock“ genannt wird. Wer seinen Pool dauerhaft mit stabilisiertem Chlor behandelt — typischerweise mit Trichlor-Tabletten im Schwimmer —, fügt mit jeder Tablette nicht nur Chlor, sondern auch eine weitere Portion Cyanursäure hinzu. Das Chlor wird verbraucht, die CYA bleibt zurück und steigt Monat für Monat: 60, 100, 150 ppm und mehr.
Je mehr CYA im Wasser ist, desto größer ist der Anteil des daran gebundenen Chlors und desto langsamer reagiert es. Der Tester zeigt dabei weiterhin „Freichlor im Normbereich“, weil gängige Tests auch das vorübergehend an den Stabilisator gebundene Chlor mitmessen. Das Ergebnis: auf dem Papier gesundes Wasser, in dem sich Algen und Bakterien munter vermehren.
Wie viel Chlor brauchen Sie bei einem bestimmten CYA-Wert?
Die Community Trouble Free Pool (auf Basis der Berechnungen des Chemikers Richard Falk) hat eine einfache Faustregel abgeleitet: Das Mindest-Freichlor sollte etwa 7,5 % des CYA-Werts betragen, als Zielwert für den laufenden Betrieb gelten 10–15 %. In der Praxis bedeutet das:
- CYA 30 ppm → mindestens ca. 2 ppm Freichlor,
- CYA 50 ppm → mindestens ca. 4 ppm,
- CYA 100 ppm → mindestens ca. 7,5 ppm,
- CYA 150 ppm → über 11 ppm Freichlor — ein Wert, den in einem Hauspool praktisch niemand dauerhaft hält.
Hier liegt das ganze Geheimnis des „wirkungslosen“ Chlors: Bei CYA 120 ppm und 3 ppm Chlor zeigt die Tabelle am Tester scheinbar alles im grünen Bereich, tatsächlich ist aber so wenig aktives Chlor vorhanden, dass es das Wasser nicht schützen kann. Und da sich der Stabilisator von selbst nicht abbaut, löst noch mehr zugegebenes Chlor das Problem nicht dauerhaft.

Woran erkennen Sie eine Überstabilisierung?
Der erste und zuverlässigste Schritt ist, die CYA zu messen. Gängige Teststreifen haben ein Feld für Cyanursäure, genauer ist ein tropfenbasierter Trübungstest oder ein Photometer. Wenn Sie diesen Wert zum ersten Mal testen, werfen Sie einen Blick in unsere Anleitung, wie Sie das Wasser in Pool und Whirlpool richtig testen.
Typische Anzeichen einer Überstabilisierung:
- CYA über 70–100 ppm (Achtung: Viele Tests enden bei einer Skala von 100 ppm — der reale Wert kann höher liegen, ein genaueres Ergebnis liefert die Messung einer mit destilliertem Wasser verdünnten Probe).
- Der Tester zeigt Chlor „im Normbereich“, trotzdem treten Algen und grünes Wasser oder rutschige Wände auf.
- Eine Schockchlorung wirkt nur ein, zwei Tage, dann kehrt das Problem zurück.
- Der Pool läuft die ganze Saison ausschließlich mit Trichlor-Tabletten, und das Wasser wurde jahrelang nicht gewechselt.
Die Größenordnung spricht für sich: Eine Trichlor-Tablette fügt pro 1 ppm Chlor etwa 0,6 ppm CYA hinzu. Ein Pool mit 30 m³, der über die Saison täglich die üblichen 2 ppm Chlor aus Tabletten verbraucht, „sammelt“ so in fünf Monaten über 150 ppm Stabilisator an — sofern nichts das Wasser verdünnt.
Wie beheben Sie eine Überstabilisierung?
Teilweiser Wasserwechsel — der einzig zuverlässige Weg
Da sich CYA chemisch nicht abbaut, ist die einzig zuverlässige Lösung, einen Teil des Wassers abzulassen und durch frisches zu ersetzen. Dabei gilt eine einfache Faustregel: Ein Austausch von 30 % des Wassers senkt die CYA um etwa 30 %. Bei einem Wert von 120 ppm und einem Zielwert von 40 ppm müssen Sie also etwa zwei Drittel des Volumens austauschen — ruhig in zwei Schritten im Abstand einiger Tage.
Auf dem Markt gibt es auch „CYA-Reducer“-Produkte auf Enzym- oder Bakterienbasis; ihre Ergebnisse gelten den Erfahrungen einschlägiger Communitys zufolge jedoch als unzuverlässig und langsam. Betrachten Sie sie höchstens als Ergänzung, nicht als Ersatz für den Wasserwechsel.
Umstieg auf unstabilisiertes Chlor
Damit sich das Problem nicht wiederholt, verwenden Sie nach dem Wasserwechsel kein stabilisiertes Chlor mehr als Hauptdesinfektionsmittel. Für den laufenden Betrieb eignen sich Natriumhypochlorit (Flüssigchlor) oder Calciumhypochlorit (Granulat oder langsam lösliche Tabletten) — beide liefern Chlor ohne ein einziges Milligramm CYA. So halten Sie den Stabilisator separat bei 30–50 ppm und behalten ihn vollständig unter Kontrolle.
Chlorarten und wie viel Stabilisator sie hinzufügen
| Chlorart | Form | Fügt CYA hinzu? | Pro 1 ppm Chlor zusätzlich | Geeignet für |
|---|---|---|---|---|
| Dichlor (Natriumdichlorisocyanurat) | schnelllösliches Granulat | ja | ca. 0,9 ppm CYA | Startdosierung, Whirlpools (kurzfristig), Schockung von CYA-freiem Wasser |
| Trichlor (Trichlorisocyanursäure) | langsam lösliche Tabletten | ja | ca. 0,6 ppm CYA | Urlaub, kurzfristige Dosierung; langfristig Risiko der Überstabilisierung |
| Calciumhypochlorit | Granulat, Tabletten | nein | 0 (erhöht Calcium, ca. 0,7 ppm) | laufende und Schockchlorung bei weichem Wasser |
| Natriumhypochlorit | Flüssigchlor | nein | 0 (erhöht leicht den Salzgehalt) | tägliche Chlorung, Dosierstationen |
| Salzelektrolyse | Salzzelle (Generator) | nein | 0 (Chlor entsteht aus Salz) | automatisierter Betrieb; Vergleich im Artikel Salzwasser vs. Chlorwasser |
Aus der Tabelle ergibt sich der zentrale Grundsatz: Stabilisiertes Chlor ist zu Saisonbeginn ein hervorragender Diener und im Juli ein schlechter Herr. Dichlor und Trichlor sind sinnvoll, solange die CYA den Zielwert von 30–50 ppm noch nicht erreicht hat. Ab diesem Punkt sollte unstabilisiertes Chlor oder eine Salzzelle die Desinfektion übernehmen.

Wie beugen Sie einer Überstabilisierung vor?
- Messen Sie die CYA mindestens einmal im Monat, nicht nur Chlor und pH-Wert. Ohne den CYA-Wert zu kennen, wissen Sie nicht, wie viel Chlor Sie eigentlich brauchen.
- Denken Sie an das Verhältnis von 7,5 %: Steigt die CYA, muss auch das Ziel-Freichlor proportional steigen — oder die CYA muss sinken.
- Tabletten nur mit Bedacht einsetzen: Nutzen Sie Trichlor, um einen Urlaub zu überbrücken, nicht als dauerhaften Saisonbetrieb.
- Im Whirlpool den Stabilisator praktisch nicht beachten: Unter der Abdeckung droht keine UV-Belastung, und ein regelmäßiger Wasserwechsel alle 3–4 Monate hält die CYA von allein niedrig.
- Keine Angst vor Verdünnung: Jedes Rückspülen des Filters und jede Zugabe von frischem Wasser senkt die CYA ein Stück. Betrachten Sie das als Pflege, nicht als Verlust.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Ist Cyanursäure gesundheitsschädlich?
In den in Pools üblichen Konzentrationen (bis 100 ppm) ist CYA für Badende nicht akut gefährlich. Das Problem ist indirekt: Ein hoher Wert schwächt die Desinfektion, sodass im Wasser Mikroorganismen überleben können, die Chlor sonst zuverlässig abtöten würde. Deshalb begrenzen Hygienevorschriften für öffentliche Bäder den CYA-Wert.
Senkt eine Schockchlorung die Cyanursäure?
Nein. Eine Schockdosis Chlor baut CYA nicht ab — der Stabilisator übersteht die Schockung unverändert, und sobald das Chlor verbraucht ist, ist alles wieder wie zuvor. Der einzig zuverlässige Weg nach unten ist ein teilweiser Wasserwechsel.
Wie viel CYA braucht ein Whirlpool unter einer Thermoabdeckung?
Fast keine. Ein abgedeckter Whirlpool ist keiner UV-Strahlung ausgesetzt, sodass das Chlor vor nichts geschützt werden muss. Die geringe CYA-Menge aus der anfänglichen Dichlor-Dosierung ist unbedenklich; geben Sie gezielt keinen Stabilisator hinzu, dann hält sich der Wert bei regelmäßigem Wasserwechsel von selbst niedrig.
Kann ich Trichlor-Tabletten die ganze Saison über verwenden?
Bei einem unüberdachten Pool mit häufigem Nachfüllen von frischem Wasser kann das funktionieren, die CYA muss aber im Blick behalten werden. Überschreitet sie etwa 50–60 ppm, steigen Sie auf Natrium- oder Calciumhypochlorit um, sonst geraten Sie im Laufe des Sommers in eine Überstabilisierung.
Warum zeigt mein Tester gutes Chlor an, und das Wasser wird trotzdem grün?
Gängige Tests messen das Freichlor einschließlich des an den Stabilisator gebundenen Anteils. Bei hoher CYA ist die Zahl am Tester also in Ordnung, das aktive Chlor macht davon aber nur einen Bruchteil der benötigten Menge aus. Messen Sie die CYA und vergleichen Sie: Liegt das Freichlor unter 7,5 % des CYA-Werts, haben Sie den Übeltäter gefunden.
Ein richtig eingestellter Stabilisator macht den Unterschied zwischen einem Pool, der jeden Tag nach Chlor verlangt, und einem, der auch eine sonnige Woche entspannt übersteht. Tester für Cyanursäure, unstabilisiertes Chlor in flüssiger und granulierter Form sowie die komplette Poolchemie finden Sie in unserer Kategorie Wasserpflege — und weitere praktische Anleitungen in unserem Ratgeber.
